Orscheler Sommer 2012
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Sommer Nachrichten
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- 1987 Januar
- Silvester-Hit: ARD sendet alten Kohl zum Neuen Jahr
Norddeutscher Rundfunk sendet "versehentlich" die Neujahrsansprache
des Bundeskanzlers vom Vorjahr Bundesregierung ist empört / NDR nennt
die undeutliche Beschriftung der Kassette als Ursache
Berlin (taz/dpa/ap) - Die ARD leisteten sich am Silvesterabend die schönste
Panne seit Erfindung des Fernsehens: Durch ein "bedauerliches Mißgeschick"
wurde um 20.05 Uhr nach der Tagesschau die falsche Neujahrsansprache von
Bundeskanzler Kohl eingespielt. Statt der am 29. Dezember aufgezeichneten
Neujahrsbotschaft 1987 wurde die des Vorjahres gesendet.
Millionen
Fernsehzuschauer erlebten, wie Kohl das Jahr 1985 Revue passieren ließ und anschließend seinen Landsleuten ein "friedvolles 1986" wünschte. Viele
Fernsehzuschauer schrieben die falsche Jahreszahl der Tumbheit unseres Kanzlers zu und glaubten an einen Versprecher Kohls. Andere wunderten sich,
warum Kohl im ARD einen anderen Anzug vor anderem Hintergrund trug als bei seiner Ansprache nach der heute-Sendung im ZDF. Als man beim Norddeutschen
Rundfunk die Verwechslung merkte, war es zu spät. Der NDR, bei dem durch Hunderte von Zuschaueranrufen die Drähte heiß liefen, reagierte erst um 21.25
Uhr auf die Panne und blendete in das laufende Programm eine Entschuldigung ein: "Durch ein Versehen ist die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers heute abend verwechselt worden. Die ARD entschuldigt sich dafür! Die korrekte Fassung wird morgen, am Neujahrstag, um 20.05 Uhr, nach der Tagesschau ausgestrahlt."
Noch gestern nachmittag herrschte beim Norddeutschen Rundfunk helle Aufregung. "Sie können sich ja vorstellen, was hier los ist", hieß es
aus der Tagesschau-Redaktion, die keine weitere Stellungnahme abgeben wollte.
"Wir wissen selbst nicht, wie sowas passieren konnte, deshalb können wir auch
nichts sagen." Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, werde noch geprüft.
NDR-Programmdirektor Rolf Seelmann-Eggebert sprach von einem "Alptraum". Im
Studio, so der Programmchef weiter, habe eine Videokassette mit der
Aufschrift "Neujahrsansprache" zum Abspielen bereit gelegen. Als der Irrtum
bemerkt wurde, sei die richtige Kassette sofort gesucht, aber nicht gefunden
worden. "Und eine zweite lag nicht vor."
Nur wenige Stunden nach dieser Stellungnahme der Programm- Direktion teilte der NDR mit, daß eine ungenaue Beschriftung des Video-Bandes eine der Ursachen für die Verwechslung war. Für ein vorsätzliches Vertauschen gebe es keine
Anhaltspunkte. Regierungssprecher Friedhelm Ost hat beim NDR in aller Schärfe gegen "diesen Vorgang" protestiert.
Mit technischem Versehen sei diese
"Beleidigung für den Zuschauer" nicht mehr zu erklären. Von den ARD müsse so
viel Sorgfalt erwartet werden, daß sie die jeweils aktuelle Aufnahme der Neujahransprache senden. Die Verantwortlichen müßten zur Rechenschaft gezogen
werden. Kenner der Fernseharbeit glauben ebenfalls nicht an ein "Versehen".
Die alten Kassetten lägen schließlich nicht einfach in den Studios herum, sondern befänden sich im Archiv, weshalb es niemals zu solch einer
Verwechslung kommen könne. Auch mit dem gerade an Silvester überhand nehmenden Alkoholismus in den Anstalten sei die Kohl-Panne nicht zu erklären.
Bei den Fernseh-Leuten wird deshalb ein gezielter Austausch der Kassetten als kleiner Silvester- Scherz vermutet. Durch die zum Jahreswechsel übliche
reduzierte Besetzung beim Sender könnte der Austausch begünstigt worden sein.
CSU-Generalsekretär Gerold Tandler ist davon überzeugt, daß die Sendung der falschen Neujahrsansprache keine Panne gewesen sei, sondern eine "bewußte Sabotage, die ganz systematisch vorbereitet wurde". Die Verantwortlichen der
ARD müßten jetzt den Täter ausfindig machen. "Er gehört gefeuert", sagte Tandler. CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kann sich nicht vorstellen, daß
an diesem Vorgang ausschließlich ein "Redakteur namens Zufall oder ein Techniker namens Versehen" die Schuld trage. Da müßten noch andere die Hand
im Spiel gehabt haben. Nach Ansicht von SPD-Sprecher Günter Verheugen verdiene der ganze Vorgang nur einen Satz: "Viel Lärm um nichts." Denn die
Kanzler-Botschaft 1987 "redet genauso um die Probleme herum wie 1986", sagte Verheugen.
Die falsche Neujahrsansprache ist im übrigen von 6,8 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt worden, die richtige nur von 5,6 Millionen. Zu den
ARD-Zuschauern gehörte auch der Bundeskanzler höchstpersönlich, der "empört"war und - so die Nachrichtenagenturen - "hart reagiert" habe. Der Pförtner des WDR mußte sich am Silvesterabend stundenlang beschimpfen lassen, unter
anderem mit "Ihr Roten! Ihr Kommunisten!" -man-
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T870102.2 TAZ Nr. 2097 Seite 1-2 vom 02.01.1987
80 Zeilen von TAZ-Bericht man
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