Orscheler Sommer 2012
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Sommer Nachrichten
Fischerstechen 2011 beim Hessentag!
- 15.05.2011 16:02
Die Kunstgriff-Macher kommen dem Wunsch der Stadt Oberursel nach. Daher findet das Fischerstechen bereits am 16.Juni 2011 im Rahmen des Hessentags statt.
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- 29.06.2005 17:24
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- 1998 Juni
- Leben in der dünnen Luft
Als Kind wollte Gerhard Gundermann Agent werden, doch die Stasi
schmiß ihn raus. Am Sonntag ist der "Dylan des Tagebaus" gestorben.
Sein Pathos hat man verlegen belächelt und war doch angerührt. Letzteres hat
man nicht jedem erzählt. Der Liedermacher Gerhard Gundermann hielt nichts vom
kühlen Maßhalten der Gefühle. Nicht immer laut, aber mit Verve sang er seine
Leiden des alten DDR-Menschen und neuen Bundesbürgers heraus: Sehnsucht,
Verlust, Vision, Kleinheit und Schmerz satt. Plötzlich soll "Gundi" tot sein.
Gerhard Gundermann war vieles: Tagebau-Arbeiter, Baggerfahrer, Vater dreier
Kinder, Ehemann, Stasi-Informant, Musiker, Dichter, Symbolfigur. Unter dem
Decknamen "Grigori" soll er acht Jahre lang gespitzelt haben, doch als
Gundermanns Stasi-Verstrickungen bekanntwurden, schien es seinem Ruf kaum zu
schaden. Es war schon die Zeit, Mitte der neunziger Jahre, als man eher der
Instrumentalisierung der Gauck- Behörde durch die Demokratie mißtraute als
dem, was tatsächlich in den Akten stand.
Als Kind will der 1955 geborene Gerhard Gundermann "Agent" werden. Von der
Offiziershochschule wird er später gefeuert; die Stasi schmeißt ihn raus, und
die SED hängt ihm ein zweites Ausschlußverfahren an. Die schwierige
Personaleinheit von Täter und Opfer sprach unter DDRlern eher für Gundermann.
Gerhard Gundermann hatte man in der Öffentlichkeit groß werden und dann
stürzen sehen, aber er hat weitergemacht, klein, immer an der Basis. Das
konnte als eine glaubhafte Ermutigung durchgehen, weil es das Versprechen
enthielt, daß man selbst weitermachen würde.
Gundermanns "Basis" war bis 1997 ein Bagger in Welzow, in der Lausitz. Er
schien einer aus dem Volk zu bleiben, der singende Baggerfahrer. In der
Braunkohle fand Gundermann seine Metapher für den Umgang der Menschen
miteinander und mit der Natur. In seinen Liedern ballte Gundi, der in der
FDJ-Singebewegung groß geworden war, lange bis zur Ermüdung die Faust. Eine
seiner erfolgreichsten Platten hieß "Der 7. Samurai". In blaugestreiftem
Fleischerhemd, Latzhose, Römerlatschen und nie ohne seine große Brille blieb
er für jeden Ostler als proletarisch im Jetzt verankerter Hippie erkennbar.
Als Ostler verstand man den leisen Unterschied zwischen Traurigkeit und
Depression, Klage und Jammerei, den Gundermanns Musik machte. Und auch sein
Vokabular. Für die Bühne dichtete Gundi - im Alltag kam er ohne Scham mit
Worten klar, die heute auf dem intellektuellen Index stehen: Utopie,
Identität, Symbol. Das Plakative, auch das plakativ Idealistische an ihm
machten es einem leicht. Ein Unwort der Wende baute er ironisch in seine
Bühnenarbeit ein: "Gundermann und Seilschaft."
Einmal schaffte er es sogar ins Vorprogramm seines großen Idols. Daß man ihn
selbst den "Dylan des Tagebaus" nannte, beinhaltete Anerkennung und Kritik zu
gleichen Teilen. Auf "Engel über dem Revier", seiner letzten Platte, klang er
dann sanfter, melodiöser und verhaltener - klagend, fast wie ein Indianer im
Reservat. "Wie soll ich leben in der dünnen Luft / die Ihr verbraucht für
euer Marktgeschrei / Ihr hört ja nicht / wenn einer Hilfe ruft / hier unten
hört man meilenweit." War das schon der Abschied?
Gerhard Gundermann sang den Blues des kleinen weißen Ostlers. Sein Leben war
reich. Es tut gut, daß man seine Lieder noch hören kann. Anke
Westphal
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T980623.182 TAZ Nr. 5563 Seite 16 vom 23.06.1998
102 Zeilen von Portrait Anke Westphal
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